Weltklasse-Tennis in Kreuzlingen

26. Februar 2016

ITF-Frauenturnier

Die Kirchberger Tennisspielerin Nina Stadler erhielt beim ITF-Frauenturnier eine WildCard und rutschte dadurch ins Hauptfeld. Dort unterlag sie am Mittwoch der um mehr als 500 Ranglistenplätze vor ihr liegenden Belgierin Marie Benoit. Die Bodenseearena in Kreuzlingen war am Mittwoch nicht vollständig in Toggenburger Hand. Die Anzahl Freunde und Verwandte, welche die 20jährige Nina Stadler live vor Ort unterstützten, war aber sehr ansehnlich.

Ein Heimspiel

Die Woche hatte nicht nach dem Gusto der jungen Sportlerin aus Kirchberg begonnen. Am Dienstag stand sie mit ihrer belgischen Doppelpartnerin Kimberley Zimmermann im Einsatz und rechnete sich gegen das Duo Jakupovic/Vankova (Slowenien/Russland) Siegchancen aus. Auch darum, weil sie gemeinsam beim Turnier in Glasgow den Turniersieg im Doppel errangen. «Es hat leider nicht gereicht. Nina und Kimberley lagen im ersten Satz 4:2 vorne, verloren diesen aber noch mit 4:6. Im zweiten Satz ging es über das Tiebreak, bei dem sie mit 5:7 den kürzeren zogen», erklärt Mutter Judith. Tags darauf bekam Nina Stadler mit Marie Benoit die Weltnummer 296 vorgesetzt. Sie liess im ersten Satz ihre Fähigkeiten mehrmals aufblitzen. Mit ihrem Paradeschlag, der Vorhand, brachte sie ihre Gegnerin öfters in Bedrängnis. Ihre beste Phase hatte sie dann am Ende des ersten Satzes. Sie konnte den Breakball aber nicht nutzen – statt 4:5 hiess es kurz darauf 3:6.

Ihr erster Trainer

In Satz Nr. 2 kassierte die Toggenburgerin ein frühes Break. Nun war zu spüren, dass der Glaube an eine mögliche Wende schwand. Das brutale Verdikt: 3:6, 0:6. Ihr Gesichtsausdruck verriet dann für kurze Zeit, dass man nun besser einen Bogen um sie machen sollte. Dies bot Gelegenheit, um sich mit Peter Holenstein, ihrem ersten Trainer beim Tennisclub Gähwil, zu unterhalten: «Die 500 Weltranglistenplätze-Differenz waren über weite Strecken nicht zu sehen. Ihre Gegnerin brachte aber die Geduld auf, um auf einen Fehler von Nina zu warten. Ich finde das Niveau hier in Kreuzlingen hervorragend. Es zeigt, was es braucht, um an die Weltspitze vorzustossen.» Danach hatten Sepp und Nina Stadler ihre Tochter so weit aufgestellt, dass es für ein Lächeln auf dem Foto reichte. Wer der Meinung ist, auf diesem Niveau sei das grosse Geld zu verdienen, irrt. Nina Stadler kassierte für ihre zwei Auftritte im Einzel und Doppel total 571 Dollar. Bei diesen Beträgen sind keine Ausschweifungen möglich. Sie hätte auch keine Zeit dazu. Gestern reiste sie mit Vater Josef ins französische Macon, das zwei Autostunden westlich von Genf liegt. Sie absolviert ab heute abend die Qualifikation für das ITF-10 000-Turnier, in der Hoffnung, dass es wieder für das Hauptfeld reicht.

ST.GALLER TAGBLATT | OSTSCHWEIZ | Montag, 26. Februar 2016 | AZ 9001 St.Gallen
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren
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